Pfingsten in Splügen


Siebzehn wanderfreudige Züri-Träffler trafen sich am Hauptbahnhof Zürich. Das Wetter war sonnig und gemäss Aussichten sollte es auch so bleiben, jupi. Unsere Reise von Chur nach Thusis war kurzweilig, gab es doch viel zu erzählen beim Wiedersehen von Kollegen und begleitet mit viel Spannung, was wir wohl erleben dürfen an den folgenden drei Tagen. Während der Fahrt erzählte uns Rolf viel Wissenswertes über die Geschichte von Thusis. Dort angekommen, wurde unser Gepäck vom Hotelbus ins Hotel nach Splügen gefahren. Mit leichtem Rucksack starteten wir in Thusis. Rolf und Regula führten uns durch einen stetig bergauf gehenden Waldweg zur Burganlage hohen Rätien. Ein prähistorischer Ort, an der uralten Saumroute durch die Viamala gelegen. Die Burg ist sehr schön auf einem Fels gelegen umgeben von blühenden Wiesen. Einige von uns bestiegen die Burg und konnten von ganz oben eine Rundumsicht geniessen.


Nach einem kleinen Picknick ging es weiter auf der Via Spluga Richtung Viamala Schlucht. Da die Temperatur langsam stieg, war es sehr angenehm, dass der Weg meist im Wald verlief, mit Blick auf Blumenwiesen, Fluss und Felswände. Wir erreichten eine Hängebrücke, den Traversinersteg, eine spektakuläre, fast 60 Meter lange Hängebrückenkonstruktion, welche international schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Es ist Zeit zum Mittagessen, Rony und Bernhard haben schon entdeckt, dass es eine Feuerstelle gibt, so dass ihre Servelats bald nicht mehr roh waren. Nach dem Halt wanderten wir dem Hinterrhein entlang bis zur Viamalaschlucht. Durch einen Treppenabstieg sind die Schlucht und die Strudeltöpfe gut zu entdecken. Bis zu 300 Meter tief hat sich der Hinterrhein in den harten Felsen gefressen und so die Schlucht gebildet. Die 1739 erstellte Wildener Brücke ist ein begehrtes Fotosujet. Gleich neben der Brücke dienen zwei alte Felsmagazine als Inforama. Mit neuen Eindrücken und einem Getränk gestärkt haben wir diesen geschichtsträchtigen Ort verlassen.


Die "Läufigen" brachen bald in Richtung Andeer auf und die Anderen nach Zillis. Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin in Zillis ist weltweit einzigartig (Kirche wurde anno 831 erstmals urkundlich erwähnt). Anfangs des 12. Jahrhunderts wurde dieser Bau völlig niedergerissen und neu aufgebaut. In dieser Zeit, um 1109 bis 1114 wurde die bemalte Decke geschaffen, 153 hölzerne Bildtafeln zeigen das mittelalterliche Weltbild. So sassen wir alle in der Kirche mit einem Spiegel in der Hand.


Nachher interessierte uns die Alte Post, vor allem die Getränkekarte und später die Sitzbänke bei der Post, für ein kurzes Nickerchen. Mit dem Postauto fuhren wir nach Andeer, wo wir die vor uns Gestarteten in Empfang nahmen, entlang dem Sufnerstausee nach Splügen.


Um sieben Uhr war Treffpunkt in der Eingangshalle des Hotels Bodenhaus. Christelle und Christian stiessen jetzt auch noch zu uns. Wir wurden von Herrn Löschl in den fast dreihundertjährigen Gewölbeweinkeller geführt und dort mit einem wunderbaren Apéro überrascht. Der Hotelbesitzer hiess uns persönlich willkommen und erzählte von der Geschichte des Hotels Bodenhaus. Der Name stammt vom Begriff „Bodä“, womit die Walser ein Stück ebenes Land mit ähnlichen Breiten- und Längenmassen bezeichneten. Das Haus stammt aus dem Jahr 1722 und galt als Ort für den Warenaustausch zwischen Mittel- und Südeuropa und diente als Lagerhaus für viele Güter. Das Bodenhaus diente auch als Poststation und bot wahrscheinlich von Beginn an auch Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten für Reisende an. In den alten Gästebüchern finden sich viele berühmte Namen wie Prinz Napoleon Bonaparte aus Frankreich, Herzog Ferdinand Maximilian aus Oesterreich, Adam Mickiewicz, Dichter aus Polen, 1841 der bedeutendste Landschaftsmaler Englands William Turner, Ende September 1872 Friedrich Nietzsche, Albert Einstein, Conrad Ferdinand Meyer usw., Zum Schluss bekam jeder von uns das Buch „Splügen - Wo sich Wege treffen“ geschenkt vom Gastgeber. Mit Applaus bedanken wir uns herzlich. Das anschliessende Viergang-Abendessen schmeckte ausgezeichnet, hervorragender Service, einfach perfekt. Vor dem Dessert erklärte uns Rolf die Tourenmöglichkeiten des nächsten Tages.


Die erste Gruppe mit Bus nach Andeer, von dort zum Lai Lung, Caschlera zum Lai da Vons nach Sufers. Die zweite Gruppe, vom Hotel zu den Surettaseen und zurück nach Splügen, dritte Gruppe gleiche Wanderung, aber 300 Höhenmeter mit Kleinbus und Monika wanderte um den Sufnerstausee. Am Pfingstsonntag nach dem reichhaltigen Zmorgenbuffet, verliessen wir gestaffelt das Hotel Bodenhaus. Es war ein sonniger Tag mit wenig Wolken. An den Surettaseen auf 2272 müM. hatte es noch ziemlich viel Schnee und über den Seen lag eine Eisschicht. Rolf hatte uns sehr gut geführt und den nicht immer ganz einfachen Abstieg haben alle bestens gemeistert.

Die sportlichste Gruppe unter der Leitung von Regula bewältigten über 1100 Höhendifferenz und waren gut sechs Stunden unterwegs. Vor dem abendlichen Apéro gab es Zeit zum Duschen, Ruhen oder auch Schwimmen im Hotelhallenbad.


Alle freuten sich aufs Nachtessen und wir wurden wieder kulinarisch verwöhnt mit vier Essensgängen. Der Service war ausgezeichnet und es war toll, dass das Inhaberehepaar immer um unser Wohlergehen besorgt war. Als Dankeschön für die Organisation dieses Wochenendes überreichten wir Regula und Rolf ein gute Flasche Wein. Später erklärte uns Rolf kurz die Planung des Pfingstmontags.

Nach dem gemütlichen Frühstück trafen wir einander auf dem Platz vor dem Hotel Bodenhaus. Frau Simmen führte uns eine Stunde durch Splügen und erzählte uns aus der ereignisreichen Geschichte ihres Passdorfes. Splügen war eine der wichtigsten Passrouten über die Alpen und wichtiger Umschlagplatz für Handelsgüter. Als 1882 der Eisenbahntunnel durch den Gotthard eröffnet wurde, versank Splügen in Vergessenheit. 1716 und 1751 wüteten Dorfbrände, Hochwasser zwangen die Leute, gefährdete Dorfteile zu verlassen, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten französische Invasiontruppen Elend und Schrecken. Zwischen 1930 und 1946 kämpfte die Bevölkerung erfolgreich gegen das Stauseeprojekt „Rheinwald“, welches die Versenkung des Dorfes vorsah. 1995 erhielt Splügen den Wakkerpreis, der das Bestreben honoriert, althergebrachte, wertvolle Bausubstanz zu erhalten und diese mit der Gegenwart sinnvoll zu verflechten. Wer in Splügen nur eine kurze Rast auf dem Weg nach Italien einlegt, dem entgeht vieles. Wer sich hingegen Zeit nimmt, sich umzusehen und auf den alten Saumwegen wandert, wird eine grossartige Landschaft vorfinden und Spuren einer Zeit, von der wir heute nur noch wenig wissen. Ich persönlich fand es sehr interessant, so viel über dieses Dorf und die damalige Zeit erfahren zu haben.


Mit dem Postauto verliessen wir das traditionsreiche Bergdorf Splügen und fuhren zurück zur Viamalaschlucht. Von dort wanderten wir über Rongellen nach Thusis. Ein paar ganz Sportliche stiegen noch zur Ruine Obertagstein auf. Auf der Terrasse des Restaurant tranken wir noch etwas und liessen die letzten drei Tage Revue passieren.


Beim Bahnhof nahmen wir unsere Koffer in Empfang, vielen Dank an Dich, Christian, für das Transportieren. Als wir in Zürich ankamen, war ich irgendwie noch gar nicht angekommen - ich war so beeindruckt von den letzten ereignisreichen Tagen.


Im Namen aller Teilnehmer möchte ich Euch, Regula und Rolf, ganz herzlich für die gemeinsamen Pfingsten in Splügen danken!


Judith Steiner

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