Zwei Tage im Banne des grossen Aletschgletschers, UNESCO Kulturerbe


Bereits früh trafen wir uns im Hauptbahnhof, hatten wir doch bereits am heutigen Tag ein längeres Pensum zu bewältigen. Die Stimmung war noch verhalten, vermissten doch einige noch den Genuss ihres sonst so geliebten Morgenkaffees. Wurde vor Ort nachgeholt, was dem Wohlbefinden wieder erheblichen Auftrieb verlieh.


Nach der Zug- und Postautofahrt erreichten wir Blatten, von wo aus wir mit der Seilbahn auf die Belalp gelangten. Bedingt durch die unsicheren Wetterverhältnisse drängte Rolf auf einen raschen Aufbruch. Über das Aletschbord erreichten wir einen Höhepunkt, die Überquerung der Massaschlucht über die 124 m lange Hängebrücke 80 m über der Schlucht. Dank einem kleinen Vorsprung vor der Gruppe gelang es mir als nicht Schwindelfreier die Brücke fast alleine zu überqueren. Nach dem Motto unserer ehemaligen Mittelstreckenläuferin Anita Weyermann; Gring abe u seckle, erreichte ich ohne nach links und rechts zu schauen das andere rettende „Ufer“. Weiter ging es bis zum Grünsee, wo wir uns der verdienten Stärkung mit unserem Picknick hingaben. Via Silbersand erreichten wir letzten Endes verschwitzt aber zufrieden mit unserer Leistung unser Übernachtungsziel, das ehrwürdige Hotel Villa Cassel, wo wir uns zuerst dem wohlverdienten Trunk hingaben.


Nach einem schulmässig geführten Gang durch die Räumlichkeiten bezogen wir unsere Unterkunft, in der wir uns wieder einmal in der Kunst des Bettenanziehens befassen konnten. Während die Privilegierten u. a. in Zimmern schliefen in denen bereits Winston Churchill den Schlaf des Gerechten gefunden hatte, logierte das Fussvolk in den preislich günstigeren Zimmern unter dem Dach. Wegen akutem Wassermangel, bedingt durch äussere Einflüsse, mussten wir statt der Dusche, auf die wir uns so gefreut hatten, mit einer minimen Wasserration begnügen. Auf die Toilette getraute man sich erst wenn die Blase oder der Darm zum bersten voll war, um Spülwasser einzusparen. Lerne leiden ohne zu klagen!


Nachdem Rolf vor dem Essen einen spendierten Apéro ansagt hatte, erwähnt plötzlich das Dienstpersonal etwas von Cholera. Während dem die einen verstohlen in ihren Impfausweisen nachschauten, ob ihre letzte Impfung nicht bereits abgelaufen war, fragten sich andere besorgt ob das Hotel wohl über genügend Impfstoffe für alle verfügten. Zu aller Erleichterung erfolgte aber ziemlich bald Entwarnung. Es handelte sich dabei nicht um die gefürchtete Darmkrankheit, sondern um eine Spezialität aus dem Wallis, die als Nachtessen vorgesehen war. Über diesen Schreck mussten wir natürlich verständlicherweise wieder einen Schluck trinken. Der Schlummertrunk musste bereits frühzeitig eingenommen werden, war doch um 22 Uhr Nachtruhe angesagt. Dies nicht von Rolf, wie ihr leicht feststellen könnt, sondern von der Hotelleitung aus.


Am Morgen, der Regen hatte zum guten Glück wieder nachgelassen, durchquerten wir den einmaligen Aletschwald mit der wunderschönen Aussicht auf den Aletschgletscher. Ob Alpenrosen oder Enzian, alles war vorhanden. Ob den Enzian alle als Blume wahrnahmen oder als gewohnheitsbedürftiges Verdauungselexier nach einer üppigen Mahlzeit entzieht sich meiner Kenntnis.


Nach den Märjelenseen erreichten wir das Restaurant Gletscherstube, wo wir uns stärkten, bevor wir durch den über einen Kilometer langen Stollenweg hinunter zur Fiescheralp gelangten. Per Luftseilbahn ging es nach Fiesch hinunter und per Zug wieder nach Zürich, wo alle Fussballliebhaber rasch in alle Richtungen stoben, wollte man doch nicht das vielleicht einzige Tor des Finals der Fussball-WM zu verpassen.


Für dieses schöne und gut organisierte Wochenende gehört Rolf Geissbühler einmal mehr ein herzliches Dankeschön. Danken möchten wir aber auch alle Petrus, der es wettermässig gut mit uns meinte, hat doch der Regen immer im richtigen Moment angefangen, bzw. aufgehört. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir diese schöne Wanderung wie von Rolf geplant durchführen konnten.


Chris Zogg


Jolanda wird als Ergänzung zu meinem Bericht noch ein paar Hintergrundinfos liefern – wir sind gespannt!

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