Sagenweg


Moderne Kunst vermittelt alte Geschichten


Zwischen Wohlen und Bremgarten führt der Freiämter Sagenweg an zwölf Skulpturen vorbei, die jeweils eine regionale Legende darstellen. Die Künstler interpretierten das selbstgewählte Thema völlig frei. Die dabei entstandenen Werke sind ganz unterschiedlich und treffen doch immer das uralte Körnchen Wahrheit das in jeder Geschichte steckt… Sieben unentwegte Züri-Träffler wollten es genauer wissen und nahmen am abendlichen Waldspaziergang unter kundiger Führung teil.


Die Motive der alten Geschichten bleiben über Länder und Jahrhunderte hinweg erstaunlich ähnlich. So gibt es auch im Freiamt viele Orte, die bis zum heutigen Tag mit greulichen Schandtaten, vergrabenen Schätze, frommen Menschen oder Teufels- und Hexenwerk verbunden sind. Zwölf dieser Sagen werden auf dem Freiämter Sagenweg von Bildhauern in Holz und Steinkunst weitererzählt – das Resultat ist eindrücklich, besonders am Abend, wenn sich sonst keiner mehr im kühlen und dämmrigen Wald aufhält...


Der Weg beginnt beim archaisch anmutenden Tanzplatz von Zufikon, der von düsteren Gestalten umringt wird. Dann führt er über den modernen Teufel im Bankomaten zum mörderischen Wyssenbacher, der elf Jungfrauen geschlachtet hat um in ihrem Blut zu baden. Es folgen die feinfühlige Umsetzung einer Familientragödie, ein verspielter und verspiegelter Zwerg mit Sinn für Mode und eine dramatische Darstellung von Märtyrern, die noch mit ihren Köpfen im Arm den Glauben weiter getragen haben. Der Eichmann in luftiger Höhe beobachtet, wie der Stifeliryter die ganze Region terrorisiert. Die Dorfhexen können darüber nur spotten, denn sie können auf ihren Besen das Weite suchen oder auch mal etwas Hexenmusik spielen. Das Kind in uns wird beim Hexenspielplatz so richtig wach: statt der Geschichte zu lauschen, schwingen wir uns erst mal selber auf den Besen und fliegen durch den mittlerweile nächtlichen Wald. Das letzte Kunstwerk zeigt einen brennenden Mann in tonnenschwerem Stein. Und genau das Gegenteil stellt diese Skulptur dar: es geht um die irrlichternden Seelen, die die Guten zum Ziel führen und die Schlechten zum Tod…


Wir gehören offensichtlich zu den Guten: statt Irrlichter führen uns Taschenlampen ohne Umwege zur 13. Stelle, wo uns nicht Unglück, sondern 3 Thermosflaschen mit warmem Jungfrauenblut (Glühwein) und heissem Tee erwarten. Eine geglückte Überraschung, denn mittlerweile ist es empfindlich kalt geworden. Beim Waldapéro flechten wir die gehörten Geschichten immer wieder witzig in unsere Gespräche ein und ich muss schon „Sagen“: diese Erzählungen und Kunstwerke wirken nach…


Anschliessend gehen wir (Gott sei Dank ohne Verluste an rächende Geister…) noch eine halbe Stunde durch den Wald zurück nach Bremgarten, wo ein gemeinsamer Znacht ausserschweizerische Traditionen aufleben lässt. Bei Fajitas, Burritos, Corona und Carajillo findet dieser Anlass einen würdigen Abschluss.


Alle sind sich einig: das war ein gelungener Abend! Der einzige Wermutstropfen bei dieser Geschichte sind die fehlenden Spareribs, gälled Peter und Christian…


Isabelle Not

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