Schneefreier Skitag


Wanderbericht eines verhinderten Skitages


Der Schneebericht war kein erfreulicher. Nichts Weisses war angesagt. Und wenn Wetter, dann Stürme, Regen bis auf 2000m am Tag davor. Den Skitag Pizol absagen oder durchziehen? Frau hat ja schliesslich Verantwortung. Nicht nur für frischgewachste Skibelage. Also absagen!! Ein Kränzchen netter Frauen und ein ebensolcher, froher Mann, die den Samstag nun "alleine" verbringen sollen? Keinesfalls! Ein Alternativprogramm muss her! Whirlpool meint der Mann, Bewegung wollen die Frauen.

Anstatt in die Skischuhe steigen wir sodann in die Wanderschuhe. Frühmorgens, seeeehr früh für diesen Wintertag. Ohne wenn und aber sind alle pünktlich im Zug unterwegs. Wir wandern zur ersten Alp, dem Rämel. Die Zeitungen haben nicht zuviel gelästert: die Lage ein Bijou, die Verwahrlosung traurig. Wie steigen immer weiter, der Nebel droht und bleibt wie eine Kappe genau über uns hängen; wir geniessen unter ihrem grauen Rand die Weitsicht. Trösten uns mit dem Gedanken, dass nur das nicht Hiersein schade wäre. Wir geniessen den Wald, die gemütlichen Schritte, die frische Luft, die Gemeinsamkeit. Mit knurrendem Magen erreichen wir die Alp Egg und ihre bergfreundliche Gemütlichkeit. Die Menukarte ist top, wir schlagen zu, geniessen, entspannen, plaudern. Die Zeit vergeht, 2 Stunden fliegen. Die Sonne lockt durch’s Fenster, lockt uns weg von Kaffee fertig, raus in die Kälte, an die versprochene Wintersonne.

Wir wandern weiter über liebliche Wiesen, bleiben stehen, geniessen die Sicht auf den Ober- und Zürichsee, die Glarnerberge, die Lindtebene. Die Geschichte zu Regulastein versetzt uns in vergangene mystische Zeiten. Dann die Aussicht Richtung Toggenburg: alles ist grün und frühlingshaft, wenigstens der Säntis leuchtet schneebedeckt. Der Berg-Jogger macht hier auf 2300m seine Liegestützen, der Hund schaut zu. Wir auch, sprachlos. Die Churfirsten sind leicht zu erkennen, aber wie heisst jeder einzelne First? Auf der Karte werden wir deren Namen nicht fündig, aber wen stöhrt’s? Es ist schön hier! Spontan wollen wir neue Wege erkunden. Also auf Richtung Rieden, zur Sonnenterasse dieser Gegend. Sogar Schneefelder finden wir, jipiiii! Eine Schneeballschlacht unter Uebermütigen, ein Foto, alle lachen.

Weiter durch den Wald, der unseren Lungen und unsere Seele gut tut. Immer die Sonne in Begleitung geht's bergab. Angekommen in Rieden genehmigen wir den Schlotterknien unter uns eine kleine Rast. In der Kirche herrscht Grösse, eindrücklich, Ruhe vermittelnd. Weihnächtlich geschmückt ist sie, genauso unpassend wie draussen das Frühlingsgezwischer. Ein Zvierischmaus im einzigen Restaurant ist wegen baldigem Abbruch nicht realisierbar. Die Einheimischen sind freundlich und für die Fasnacht geschminkt. Dann holt uns das Wetter doch noch ein. Es wird dunkler, sphärisch. Ueber die Berge kriechen schwere Wolken in unsere Richtung.

Der Buschauffeur empfängt uns in Uetliburg, er kennt uns schon. Er nimmt uns mit, ohne Zusatzkosten und bringt uns wieder nach Uznach. Hier herrscht Markttreiben, zu dieser Jahreszeit? Drei von uns wollen heim, drei noch in Uznach sein. Wir trennen uns, leben unseren Individualismus. Die Rückfahrt nach Zürich beim Marroniessen wird zum Katzensprung. Ein genussvoller leichter Tag liegt hinter uns.

Der Natur sei Dank für diesen Tag! Eveline Lamont

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